Intentionales Vergessen von Arbeitsverhalten im Alltag (iVAA)

2016 - 2022: Intentionales Vergessen von Arbeitsverhalten im Alltag - Erfassung, Formalisierung und Integration in interaktive Systeme (iVAA)



Worum geht es in diesem Projekt?

Das Projekt iVAA beschäftigt sich mit Gewohnheiten bei der alltäglichen Arbeit, die bei der Erledigung von Arbeitsaufgaben auftreten und somit für das Funktionieren von Organisation von Bedeutung sind. Konkret untersuchen wir, wie unerwünschte Gewohnheiten verändert („vergessen“) werden können. Wir konzentrieren uns dabei auf individuelle gewohnheitsmäßige Verhaltensweisen und betrachten das Vergessen dieser Verhaltensweisen als einen proaktiven Prozess. Dazu entwickeln wir ein interaktives System, welches möglichst nahtlos in die alltägliche Umgebung eingebettet ist und den Mitarbeiter proaktiv unterstützt.


Was sind die bisherigen Ergebnisse des Projektes?

In der ersten Projektphase haben wir untersucht, welche Gewohnheiten Arbeitende als unerwünscht ansehen und welche sie gerne durch welches Alternativverhalten ersetzen möchten. Wir haben Daten aus einer Tagebuchuntersuchung analysiert, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche selbstregulatorischen Prozesse beim Vermeiden von unerwünschten Gewohnheiten eine Rolle spielen und ob sie auch helfen, längerfristig diese Gewohnheiten zu „vergessen“.

Weiterhin haben wir zeigen können, wie qualitative Daten, die gewünschte wie ungewünschte Gewohnheiten beschreiben und mittels der Think-Aloud Methode erhoben wurden, in formale Modelle überführt werden konnten. Diese Art der Modelle können in interaktiven Systemen verwendet werden. Dies haben wir im Rahmen eines Prototypens gezeigt, indem wir eine virtuelle Büroumgebung geschaffen haben. In dieser ist der Nutzer in der Lage, eine Bürotätigkeit durchzuführen. Diese Tätigkeit und das Verhalten des Nutzers wurden dann durch das System analysiert und mit dem zuvor erzeugten Modell gewünschter und ungewünschter Gewohnheiten verglichen. Auf Basis dieses Vergleichs wurden im Anschluss gezielt Informationen an den Nutzer kommuniziert, die Sie oder Ihn zur Anpassung ihres oder seines Verhaltens wenn nötig aufforderten.


Was sind weitere Ziele des Projektes?

In der ersten Projektphase verfolgten wir drei konkrete Ziele. Erstens haben wir Methoden entwickelt, um Gewohnheiten empirisch zu erfassen und diese später zu formalisieren. Zweitens haben wir formalisierte Beschreibungen von Gewohnheiten in Referenznetze (einer formalen Beschreibungssprache) überführt, um sie in einem persuasiven (daher einem verhaltensbeeinflussenden) System funktional einbetten zu können. Drittens werden wir individuelle und situative Faktoren im Arbeitskontext untersucht, die das Vergessen von unerwünschten Gewohnheiten erleichtern können.

In der zweiten Projektphase bauen wir auf den Ergebnissen der ersten Projektphase auf und verfolgen dazu wiederum drei Ziele. Zum einen werden wir die kausalen psychologischen Prozesse beim intentionalen Vergessen von unerwünschten Gewohnheiten im Arbeitskontext untersuchen. Dabei werden wir mittels feld-experimentellen Untersuchungen sowohl die Wirksamkeit von unterschiedlichen selbstregulatorischen Strategien wie auch den Einsatz eines prototypischen persuasiven Systems untersuchen. Eng damit verknüpft zielen wir in einem zweiten Ziel darauf ab, Designrichtlinien für die Entwicklung persuasiver Systeme zu erarbeiten. Schlussendlich ist ein drittes Ziel die Untersuchung von organisationalen Kontextfaktoren bei der Veränderung von dysfunktionalen aufgabenbezogenen Gewohnheiten im Arbeitskontext umso mehr über die organisationalen Randbedingungen zu erfahren, die den Einsatz der untersuchten Methoden und der entwickelten persuasiven Systeme wichtig sind.


Wie können Organisationen die Ergebnisse nutzen?

Das Vergessen von unerwünschten Verhaltensweisen sollte es Berufstätigen ermöglichen, ihre Arbeit effizienter zu erledigen, ohne dass dabei die Beanspruchung steigt. Unser Projekt untersucht zum einen die notwendigen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, die in der Organisation gegeben sein müssen, sodass unerwünschte Gewohnheiten wirklich verändert werden können. Zum anderen entwickeln und untersuchen wir ein digitales System zur proaktiven Unterstützung dieses Vergessens unter Zuhilfenahme der fortschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt.


Projektteam


Prof. Dr. Sonnentag, Sabine Fachbereich Psychologie Antragstellerin ORCID
ResearchGate
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sonnentag@uni-mannheim.de
Többen, Leon Fachbereich Psychologie ResearchGate toebben@uni-mannheim.de

Jun.-Prof. Dr.-Ing. Weyers, Benjamin Human-Computer-Interaction Antragsteller ORCID
ResearchGate
Google Scholar
weyers@uni-trier.de
Feld, Nico, M.Sc. Human-Computer-Interaction ResearchGate
Google Scholar
feldn@uni-trier.de

Ehemalige Mitarbeiter/-innen

Dr. rer. nat. Law, Yuen ORCID
ResearchGate
Google Scholar
Wehrt, Wilken, M.Sc. ResearchGate

Poster Phase 2 (2020 - 2023, aktuell)


Poster Phase 1 (2016-2019)


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