„Intentional Forgetting in Organisationen" das DFG Schwerpunktprogramm 1921

In einer Welt, in der Wissen zu Ansehen und Status verhilft, das Erlangen und Speichern von Wissen als Errungenschaft angesehen wird, wird Vergessen oftmals als Antagonist, Bedrohung des mühsam erarbeiteten, angehäuften kostbaren Wissens betrachtet.

Dabei ist Vergessen ein genauso natürlicher Prozess wie Lernen. Würde das menschliche Gehirn alle ihm permanent über alle Sinne gelieferten Informationen versuchen zu verarbeiten kämen wir nicht weit. Nicht das Auge entscheidet was gesehen, nicht das Ohr, was gehört wird, sondern das Gehirn, was davon verarbeitet wird. Irrelevantes wird schnellstmöglich von der weiteren Verarbeitung zu Gunsten der Verarbeitungskapazität für Relevantes ausgeschlossen – vergessen. So stellt unser Gehirn die optimale Nutzung knapper Verarbeitungsressourcen sicher und befähigt den Menschen erst zu seinen kognitiven Leistungen.

Relevanz – die Passung zwischen Situation und anzuwendendem Wissen entscheidet über Erfolg und Misserfolg.

Jede Veränderung führt zu einer neuen Passung von Situation und relevantem, passendem Wissen – was richtig war, ist es in Teilen nicht mehr – Altes, Irrelevantes muss vergessen werden, damit Neues angewandt werden kann.

Kreativität ist nur möglich, wenn Lösungen nicht auf alten Faden gesucht, sondern alte Fade verlassen, vergessen werden.

Wie können Maschinen, die unendliche Datenmengen speichern zwischen relevanten und irrelevanten Informationen unterscheiden und die Irrelevanten von der Verarbeitung ausschließen - vergessen?

Vertrauen Menschen Maschinen, die vergessen können?

Digitale Transformation mit nahezu unendlichen Datenmengen, permanent zunehmende Veränderungen verlangen von Mensch und Maschine stetig wachsende Anpassungsfähigkeit und Flexibilität – beides ist nur möglich, wenn Irrelevantes, Altes nicht verarbeitet und angewandt, sondern willentlich vergessen wird.


Die Ziele des Schwerpunktprogramms sind:

• Die Mechanismen des menschlichen Vergessens für einen technischen und organisationalen Kontext nutzbar zu machen.
• Die bis dato existierenden Organisationstheorien weiterzuentwickeln im Hinblick auf die Frage, wie eine Passung zwischen den Prozessen, MitarbeiterInnen, Technologien und Strukturen der Organisation und der Informationsmenge, die intern und extern der Organisation generiert wird, hergestellt werden kann, in dem die Informationssysteme in Organisationen befähigt werden zu vergessen.
• Interdisziplinär neue Methoden und Übertragungswege für Organisationen zu entwickeln, um die Balance zwischen stetig wachsenden Mengen an gespeicherten Informationen und einer Informationsreduktion durch Vergessen zu finden.

In der ersten Phase widmen sich acht Projekte unterschiedlichen Fragestellungen in diesem Kontext. Die Forschungsfragen und einzelnen Projekte sind interdisziplinär angelegt und werden in sogenannten Tandemprojekten aus verschiedenen Fachrichtungen erforscht. Zwischen den Projekten erfolgt ein inhaltlicher Austausch in regelmäßigen Workshops und Konferenzen. Hierfür wurde eine Koordinationsstelle eingerichtet.



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